Meistens muss man
Patienten mit schweren Fehlstellungen kieferorthopädisch Vor- und
Nachbehandeln. Entweder wird chirurgisch der Einbau des Oberkiefers in
den Schädel korrigiert oder die Unterkieferlage verändert oder
beides. Im wesentlichen dient die kieferorthopädisch-kieferchirurgische
Kombinationstherapie der Korrektur besonders ausgeprägter, vorwiegend
skelettaler Fehlstellungen:
kkkk extreme Unterkieferrücklage
kkkk Progenie (Vorlage des Unterkiefers)/Makrogenie (zu großer Unterkiefer)
kkkk Mikrognathie (zu kleiner Oberkiefer)
kkkk Prognathie (Vorlage des Oberkiefers)
kkkk skelettal offener Biss
kkkk hochgradige transversale Enge
im Oberkiefer
kkkk seltene syndromale Wachstumsstörungen
Die Entscheidung,
ob die Korrektur einer skelettalen Anomalie konservativ, d.h. allein durch
eine kieferorthopädische Behandlung erfolgen kann oder ob eine kombiniert
kieferorthopädisch-chirugische Therapie angebracht ist, wird individuell entschieden.
Bei milder Ausprägung der skelettalen Fehlstellung wird die Entscheidung
im Allgemeinen zugunsten der konservativen Lösung fallen, um das
mit Operation und Narkose verbundene Risiko zu vermeiden. Ein zufriedenstellendes und stabiles Ergebnis bei extremen skelettalen
Fehlstellungen lässt sich nur durch eine operative Korrektur erzielen.
In Grenzfällen,
in denen die skelettale Fehlstellung mäßig ausgeprägt
ist und eine konservative Therapie mit Aussicht auf ein funktionell und
ästhetisch ausreichendes Resultat möglich, aber nicht sicher
ist, wird der Kieferorthopäde eventuell erst während der laufenden
Behandlung die Grenzen seiner Möglichkeiten erkennen und den Behandlungsplan
ändern. Manchmal verstärken sich erst im Verlauf des Wachstums
einige Fehlstellungen.
Zeitpunkt
Eine Operation ist erst nach Abschluss des Schädel-
und Kieferwachstums möglich - man sagt bei Mädchen ab dem 17. bei Jungen ab dem 18. Lebensjahr.
Operative Therapieverfahren
Rückverlagerung
des Unterkiefers
Bei dieser
Operation wird der Unterkiefer im Bereich des Kieferwinkels schrägl
(nach Obwegeser/Dal Pont) gespalten und das vordere Segment zurückgesetzt sowie ggf. geschwenkt.
Wichtig ist die exakte Positionierung der Segmente. Zur Fixierung der
beiden hinteren Unterkieferanteile werden spezielle Metallplatten verwendet.
Vorverlagerung
bzw. Schwankung des Unterkiefers
Bei einer Mittellinienverschiebung des Unterkiefers wird das gleiche
Verfahren angewendet, nur das hierbei der Unterkiefer nicht nur nach vorne,
sondern auch seitlich geschwenkt wird, um in korrekter Verzahnung eingestellt
zu werden.
Lageänderung
des Oberkiefers in drei Dimensionen
Zur Korrektur einer extremen Vor- oder Rückverlagerung des Oberkiefers,
aber auch zur Änderung der Neigung des Oberkiefers kann der Oberkiefer
(im Sinne einer Le Fort I - Osteotomie) vom übrigen Mittelgesicht
abgetrennt, verschoben und neu fixiert werden.
Verbreiterung der
Oberkieferbasis
Im Erwachsenenalter
empfiehlt es sich, die forcierte Gaumennahterweiterung (GNE) chirurgisch zu unterstützen.
Durch eine Schwächung des Knochens ist die GNE leichter durchzuführen.
Segmentosteotomien
im Oberkiefer und Unterkiefer
Durch chirugische Umsetzung von Teilen des oberen und unteren zahntragenden Kieferknochens
lassen sich Anomalien im Frontbereich, z.B. ein offener Biss, ein extremer
Tiefbiss/Deckbiss, eine Ante- bzw. Retroposition oder Inklination der
oberen oder unteren Front, sowie eine Prognathie operativ unterstützt
korrigieren. Die Indikationsstellung sollte jedoch durch Fixationsprobleme
und mögliche Komplikationen bei der Einheilung besonders streng sein. Genioplastik - Kinnplastik
Die operative Korrektur des Kinns durch das Abtrennen und Neufixieren
eines Kinnsegments, ggf. unter Reduktion bzw. Transplantation von Knochen,
erfolgt aus ästhetischer Indikation. |